Film "Seeufer" über die gefährliche Migration übers Mittelmeer

 Basel last edited: Thu, 21 Jun 2018 23:54:51 +0200  
Ein Jahr lang hielt sich der Dokumentarfilmer Gianfranco Rosi auf #Lampedusa auf, der italienischen Mittelmeerinsel, die zum Symbol der jüngsten Flüchtlingskatastrophe geworden ist. Er hat die Bewohner der Insel beobachtet, ihr Leben sowie ihre Reaktionen dokumentiert, er war auf Rettungsmissionen dabei und hat die Arbeit der Küstentruppen begleitet. Klug montiert er in seiner Erzählung die beiden Welten parallel zueinander. Da sind auf der einen Seite die Inselbewohner, allen voran der zwölfjährige Samuele, der von den Ereignissen draußen vor der Insel offenbar nicht viel mitbekommt. Er baut mit seinem Kumpel Zwillen, schlürft gerne Spaghetti ein und hat höchstens mal mit Atembeschwerden zu tun, die sein Arzt aber eher als psychosomatisch einstuft. Den Arzt indes hat man einige Minuten zuvor bereits im Film gesehen. Da erzählt er von der anderen Seite, von den grausamen Zuständen in den Flüchtlingsbooten, von den Verstümmelungen und Obduktionen, die er durchführen muss.
Es ist wahrhaft erstaunlich, wie wenig Zeigefinger Rosi im Filmaufbau benötigt, um ein Nebeneinander wie dieses zu schildern. Grundsätzlich besteht einer der großen Leistungen Gianfranco Rosis darin, jeden offensichtlichen Kommentar zu vermeiden (seine Parallelstruktur ist Kommentar genug). Er zwingt uns damit dazu, uns mit der Tragödie zu beschäftigen und uns selbst ein Bild zu machen. Angesichts dieser parallelen Struktur und angesichts der zum Teil schwer auszuhaltenden Bilder von den Flüchtlingsbooten rüttelt der Film an den eigenen Positionen, und vor allem hinterfragt er die eigene Verantwortung. Samuele und die anderen Protagonisten werden zum Spiegel unseres Verhaltens in Westeuropa zwischen Machtlosigkeit und Ignoranz. Und weil dieses Verhalten vorherrscht, wird im sicheren, reichen Westeuropa über Zahlen und Herkunftsländer, über Bleiberecht und Fluchtmotivationen debattiert. In Rosis Film ist angesichts der Bilder all das nicht von Interesse. Rosi ist nahe an die Menschen herangekommen, er gibt all dem Vagen, das wir aus den Medien zu kennen glauben, ein Gesicht. SEEFEUER ist gerade dank seines besonnenen und nicht-proklamatorischen Erzähltons ein enorm wichtiges Zeitdokument, das im täglichen Bilderurwald hysterischer Berichterstattung eine klaffende Lücke füllt.

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SEEFEUER | Trailer deutsch german [HD]
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#Migration #Mittelmeer #Film #Europa #Dokumentarfilm Danke @o_t@nerdpol.ch fürs Teilen
Kein Gott, kein Herr! (Ni Dieu ni maître)

 Basel 
Eine #Arte - #Doku über #Anarchismus, die mir vor Augen geführt hat, wie die Ereignisse schon damals, in den Anfängen, sehr schnell um die Welt gingen und heftige Proteste und leider auch unglaublich brutale Repressionen auslösten. Die wiederholte Prominenz #Frankreich s als Schauplatz der Ereignisse war mir so nicht bewusst.
Tancrède Ramonets #Film stützt sich ausschließlich auf Archivdokumente und Interviews mit Historikern und weiteren Experten und beschreibt die anarchistische #Geschichte als Ereignisgeschichte vom Beginn an bis zum II. Weltkrieg. Dabei nutzt er ausschließlich Originalaufnahmen, etwa von der mexikanischen #Revolution und dem spanischen Bürgerkrieg, und Abbildungen von zeitgenössischen Originaldokumenten. Der Film beschränkt sich nicht auf #Europa und die üblicherweise im Fokus stehenden geschichtlichen Ereignisse, sondern bezieht die Entwicklungen in der gesamten Welt ein.

тoвιтoвι wrote the following post Wed, 21 Feb 2018 17:32:25 +0100

Danke @тoвι für die Links! Das Zitat stammt aus Wikipedia
 Basel last edited: Tue, 30 Jan 2018 14:20:48 +0100  
Der eine wollte mithelfen, dass "in unserem Vaterland wieder Ruhe und Ordnung einkehrt". Der andere traute den alten Parteien nicht mehr über den Weg, fühlte sich missbraucht als "Stimmvieh". Und wieder ein anderer interessierte sich für die Nationalsozialisten, weil er in der Presse nicht die Wahrheit erfahre und "Adolf Hitler und seine Bewegung in der Presse fürchterlich heruntergerissen" wurden. So beschreiben Deutsche im Sommer 1934, warum sie schon früh in die NSDAP eingetreten sind.

Dass ein Friedrich Jörns aus Eschwege bei Kassel, ein Ernst Seyffardt aus Duisburg und ein Lehrer Schwarz aus Obernhain im Taunus ihre Motivation zu Papier gebracht haben, ist einer bemerkenswerten Aktion des amerikanischen Soziologen Theodore Fred Abel zu verdanken.


Weitere wiederkehrende Motive der Biogramme sind ein angeschlagener Nationalstolz, die Wut auf die alten Parteien und die Angst vor sozialem Abstieg. Aber auch die Angst vor den Fremden im Land, "wo deutsche Frauen und Mädchen von schwarzen Bestien (...) ungestraft geschändet werden konnten".

Preisausschreiben unter Nazis: 'Warum sind Sie in der NSDAP?'

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Angeschlagener Nationalstolz, Wut auf die alten Parteien und die Angst vor sozialem Abstieg - so beschreiben Deutsche im Sommer 1934, warum sie in die NSDAP eingetreten sind.
#Politik #Soziologie #Deutschland #Xenophobie #Europa